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Mai – Monat des Aufbruchs!

Mai 15, 2008

Mai – der Monat der Erneuerung, des Aufbruchs und des Wachstums!

„Alles neu“, so singen wir wohl seit alter Zeit, mache der Mai: „Komm lieber Mai und mache!“ Das hat für mich wegen des Machens einen faschistischen Beigeschmack. Denn lateinisch facere heißt machen. Aus facere leitet sich dieses Monstrumswort Faschismus ab, in das viel Theorie vergeheimnist worden ist, aber mir gilt dieses Wort nur als die Abwesenheit von Theorie, Gedanken und demzufolge auch Skrupeln oder Zweifeln. Stattdessen steht facere, facitus, Faschismus mir schlicht fürs Schlagen, Rock ´n Roll, so richtig einen losmachen, Bücher verbrennen, Menschen vergasen, dass Schweinesystem zerschlagen, kurzum: Nicht denken, sondern machen!

Oi Va Voi!

Der Mai macht mit Macht alles Neu und den Ersten Mai machten erst die Macher von der NSDAP zu einem wiederkehrenden gesetzlichen Feiertag. Die Faschisten wollten bekanntlich alles neu machen, kochten aber alten Brei und Vorurteile zu einem ungenießbaren wie tödlichen Cocktail. Eines aber beherrschten die, der Hinkefuß allen voran, perfekt: das Marketing! Die Show.

Immer wenn ich mich heutzutage von den modernen Medien unterhalten lasse, denke ich oft an Joseph Goebbels. Sehe ich aufstrebende, kaum erblühte Popstars in New York vor kreischenden und in Ohnmacht fallenden Teenies, denke ich nicht zuerst an John, Paul, George und Ringo, sondern an Joseph und Adolf und ihre Nummern: „Der Führer über Deutschland.“ und ihren Evergreen und das Passepartout für jedes Popkonzert: den „Reichsparteitag“. „Voll Porno!“, würden die, in diesem Mai zur Adolfeszenz erblühten Pennäler, vielleicht dazu sagen oder nix sagen und stattdessen mit einer Adolf-Figur die Abenteuer Carl Johnsons in dessen virtueller Grand Theft Welt durchleben wollen. Sei es als bewusster, zynischer Kommentar oder nur kichernder, sabbernder und schlichter Grenzdebilität; auf jeden Fall: voll Porno.

Voll Porno wie ein Maibaum eben. Diese Riesenphalli, die in Mutter Erde gerammt werden und unter dessen hölzerner Männlichkeit jungfräuliche Jungbauern sich plusternd tummeln und auf eine Maid hoffen, die sich – summ summ – bienengleich des Nektars wegen ihrer erbarmt. Wobei der Vergleich hinkt, denn Sperma ist weder Nektar noch Götterspeise oder taugte gar als Kinderaufzuchtsnahrungsmittel. Einerseits, aber andererseits fickt die Blume die Biene, stäubt ihr die Pollen überallhin und treibt es mit jeder, wirklich jeder voll Porno während die Biene an sich bienenfleißig ist und in einem ordentlich geführten Gemeinwesen lebt.

Blumen sind sesshaft. Blumen sind ganz unbeweglich, ja Blumen sind halt festgewachsen. Blumen, entscheiden nicht, wen sie verführen; Blumen richten ihre Stengel ganz einfach nur ins Licht, denn Blumen sind so kritik- und wahllos.

Blumen sind wie Couchkartoffeln – pflückst du sie, gehen sie bald drauf.

Ja, Blumen sind so – zerbrechlich.

Blumen werden nicht sehr alt und lassen bald die Köpfchen hängen, brauchen ganz viel Zucker im Tank denn Blumen sind unbeschreiblich männlich.

Blumen sind männlich? Die Rose ist ein Symbol für den Mann, sein Glied oder die hemmungslose Verstreuung seines Samens? Hmmm? Nein, eine Rose ist eine Rose, ist eine Rose. Es gibt keine Phallusrose, keine weiße, schwarze, rote oder gar blaue Rose. Eine Rose ist eine Rose, eine Blume ist eine Blume, eine Pflanze ist eine Pflanze. Flora und Fauna sind bekannt. Und kein Mai erschafft dergestalt Neues mehr, dass es sich gegenüber dem monokulturellem Einerlei behaupten oder wahrgenommen werden könnte. Agrobiodiversität? Vielfalt? Nein, eine blaue Blume ist eine blaue Blume und bleibt eine blaue Blume und blüht seit ehedem auf den Feldern der Frühromantiker, wird dort hektarweise gezüchtet und meilenweit ist kein Knick zu sehen. Ein Meer, aus schwankenden Stengeln gekrönt mit blauen Kronen, wird durchpflügt von Heerscharen von Blauenblumenstechern, die sich glückselig fühlen, weil sie sich eins in der Vielheit und in der Vielheit eins wähnen. Sehr schön.

Aber Vielfalt ist das nicht. Und neu? Neu, ist es auch nicht. Es ist einfältig. Agrobiodiversität? Fehlanzeige. Was Agrobiodiversität ist? Nun, auf unseren Feldern und allen Feldern dieser Welt herrscht großes Einerlei. Es liegt das gleiche Reiskorn auf A1 wie auf H8. Wenigstens die Schachbrettfelder wechseln sich in ihren Farben ab, denn ansonsten wird in dieser Welt nur gepflanzt, nur vermehrt was Gewinn bringt. Gerodet, getötet wird jeder andersartige Keim, der den Erfolg schmälern könnte. Saatgut Euthanasie und Saatgut Rassenlehre gehört seit jeher zum Standard. All überall werden nur noch Autobahnen gepflanzt, überall wird nur gefressen was Profit gebracht hat. Ach, lieber Mai, nun mache!

Oi Va Voi!

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