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Juli – Bärenmonat

Juli 1, 2008

Juli.

Bärenmonat.

Der Juli wurde einstmals, in heidnischer Vorzeit, Bären- oder Honigmonat genannt, aber seit geraumer Zeit, ist dieser Monat dem großen Feldherren und Kalenderreformer Julius Caesar gewidmet.

Bruno, der Problembär, hat in seinem letzten Lebensjahr den nach seiner Art benannten Monat nicht mehr erleben können. Wenige Stunden vor dem ersten Tag des Juleis setzten die Jäger seinem Leben ein Ende. Demzufolge erlebte er keinen vierten oder vierzehnten Juli oder einen anderen Feiertag der Freiheit.

Tröste dich, Bruno Bär, wir erleben unsere Tage zwar in Freiheit, aber welche Bedrohung und welche Befreiung darin liegt, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass du, Bruno, deine ungezähmte Freiheit mit dem Leben bezahlen musstest.

Obwohl unsere Gatter offen und unsere Wege nicht vorgezeichnet sind, fühlen wir unsere Beine nicht. Sie sind so schwer und taub, wie die von Dr. Seltsam. Festgefahren und bewegungslos erdulden wir die Sonne im Hitzezenit und wedeln wie doll und verrückt, so als seien wir junge Hunde, mit dem Schwanz, wenn wir in den Schatten geschoben werden oder wenn uns ein Gönner eine Schale zum Schlabbern hinhält.

Bruno hat es versucht. Bruno überquerte die Alpen und Bruno riss Schafe. Schafe, von denen wir insgeheim vermuteten, dass Bruno sie aus einer Wollmatrix befreit hat, denn ansonsten hätten wir Bruno nur gestattet in die Honigtöpfchen zu fassen, statt wie der Wolf Lämmer zu reißen. Aber weil Bruno frei war und uns Insassen einer Eins-, Zwei- , Drei-, Vielraumbastille den Geschmack der Freiheit näher brachte, galt ihm unsere Sympathie. Aber Bruno wurde erschossen. Erschossen, ausgestopft und ausgestellt bevor der Juli dräute. Ich befürchte, es bedarf keines Fangschusses um mich auszustopfen. Diesen Job erledige ich selbst – mit gefühltem lebendigen Geist.

Bruno war frei und ungezähmt und brauchte keine Auszeit, während ich Urlaub buchen muss, um meinen knapp hundert Meter hohen, zweihundertfünfundzwanzig Tonnen schweren Koloss und Traum der Freiheit bewundern und Schnappschüsse machen zu können. Schnappschüsse, die mir beweisen, dass ich Reisefreiheit genieße, dass ich ein freier Mensch und kein ungesetzlicher Krieger bin.

Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!

Irgendwann differiert der Kalender so stark mit der Umlaufbahn der couchkartoffelförmigen Erde um unser Lebenslicht, dass es eines neuen Kalenders bedarf, zumindest einer Korrektur, einer Neupositionierung der Kartoffel zur Sonne, um nicht zu sagen: eines besseren Platzes an der Sonne. Das Ungemach, dass aus solchem Wollen erwächst, ist mir aber solch ein Graus, dass ich es dabei belasse mein Handtuch schon in der Frühe auf die besten Stühle – auf die Honigseite – zu legen, weil ich mich danach noch bräsig für ein-, zwei Stunden in meine Höhle zurückziehen kann.

Ihr Abenteurer im Mittelmeer, ihr Freihheitssucher, Heimatlosen und Getriebenen, ihr Abgelehnten, ihr Brunos und ihr Geknechteten, euch wünscht Ruben Ballutschinski – ein kleines Licht des Okzidents – eine handtuchfreie Liege. Aber wahrscheinlich löst sich wieder ein Schuß oder dringt Wasser durch ein Leck und begräbt den Freiheitsdrang auf nassem Grund.

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