Braucht Hertha eine Vision?

Dem Fußball fehlt vielleicht ein Vision. Hertha nicht.

Heutzutage ist jeder Verein – auch die Eisernern – in der Geld- und Erfolgsmühle. Hertha mit dem heutigen Potential das Oly zu füllen, steckt in der Bedrouille, dass das Potential sich verringert, wenn sich auf Dauer keine Erfolgserlebnisse einstellen. Die Vision lautet bei Hertha wie bei Buzz Lightyear: Meister werden bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter! Forever Number One bzw. Bayern München werden. Vison Ende.

So ein Spiel, wie das der Füchse gegen die Zebras wird Fans binden, pflegen und neue gewinnen. Aber eben auch Erwartungen schüren. Wer den Champions League Sieger schlägt und die Tabellenspitze erklimmt, kann auch Meister werden. Ein prickelndes, belebendes, erfirischendes Gefühl. Wie Champagner. St. Pauli benannte es punktgenau mit dem Weltpokalsiegerbesieger Slogan – und vermarktete diesen, einen Sieg professioneller als Bayern München all ihre Pokale. Siegerbesieger ist ein geflügeltes Wort geworden, was das Branding von St. Pauli hat. Unbezahlbar – wenn man es vermarktet, ansonsten ist es kostenlose Nostalgie.

Vor mehr als einem Jahr schlug Hertha die Bayern und erklomm mit diesem Sieg auch noch die Tabellenspitze. Ein vergleichbares Spiel zu den Füchsen und auch zu St. Paulis Sieg. Das haben die Hertha-Fans und das Berliner Fußballpublikum nicht vergessen. Ich bestimmt nicht. Trotz einer katastrophalen Saison im Anschluß. Vergessen aber, bzw. kein Grund mehr zu Hertha zu gehen, sind die Protagonisten dieser unglaublichen Nummero Uno Saison mit einer gefühlten zweistelligen Anzahl an Spieltagen an denen wir die Tabellenspitze besetzt haben und ein Lied kreiert wurde: „Hey, was geht ab?“

Ja, was geht denn noch ab? Zumindest gehen heute keiner der Voronins, Friedrichs, Simunics, Drobnys und Pantelics ab. Nur im Sinne von: Geht ab, denn sie sind weg. Obwohl sie nicht einmal im Ruhezustand ist. Sie sind jetzt Helden oder Versager für Andere, die dieses Lied oder ein anderes singen. Fragt nach bei Wolfsburg, den HSV, Moskau oder Amsterdam. Austauschbar wie Panini Bildchen. So lange sie unter unserer Kuppel waren, waren sie eine Attraktion: Heilige und unvergessen. Jetzt, sind sie weg. Na gut, dann kommen neue Clowns und ein heutiger Besuch im Oly bringt sie uns nicht näher. Im Gegenteil. Ihr Auftritt: Herr Schulz, Herr Djuricin und co. Wenigstens für die Dauer des Engagements.

Ich bin in der letzten Saison nicht Mitglied bei Hertha geworden, weil Hertha eine Vision hat oder tolle Fans, sondern  weil Hertha trotz oder wegen seiner Irrungen der Club ist, der mich wie ein Entenküken geprägt hat aber auch der Club ist, der Bayern, Mainz, HSV, S04, Pauli und Gladbach zusammen ist. Bauten wir uns ein Stadion, wären wir auch noch Eisern. Hertha? Hertha ist vollkommen durchgeknallt und die allerschärfste Achterbahn der Liga.

Hertha ist 1978/79 im Habfinale des Uefacup gewesen, 1986/87 in der Dritten, nicht der dritten Profiliga sondern der Amateur-Oberliga, weil Alemannia Aachen zu stark für die Hertha gewesen war, 1997/98 wieder in die Erste aufgestiegen und eigentlich auch wieder mal nach einem Jahr aus der ersten Liga abgestiegen, aber, denkste Härtha, 1999/2000 in der Champions League gewesen und gegen Barca unentschieden gespielt und – hau wech den Schaiß –  AC Mailand, FC Chelsea geschlagen, in der Saison 2008/2009 am 24. Spieltag mit vier Punkten Vorsrpung die Spitze der Liga besetzt aber im Jahr 2009/2010 die Negativrekorde von Tasmania 98 gebrochen. So zwischendurch mal hat die Amateurabteilung der Hertha im Stile einer Fohlen-Elf das Finale eines DFB Pokals erstürmt. Wow.

Diese Kapriolen schlägt – was die letzten drei Jahrzehnte angeht – keiner. Frankfurt vielleicht. Aber denen fehlt die offiziellle Abmahnung für ihr Tun. Während die Hertha ganz inoffziell-italienisch für Herrn Canellas gekickt hat. Ja, diesen Schmutz trägt nur noch das Schalker Königsblau als Alleinstellungsmerkmal.

Hertha ist Fußball. Schmutzig und Glänzend und auf jeden Fall bewegend – auch wenn nichts mehr zu gehen scheint. Hertha ist ein ewiges Versprechen auf die perfekte Saison, den perfekten Lauf. Hertha zu lieben heißt: nie deutscher Meister werden. Außer in der Erinnerung. Auf die schmutzigen Seiten, die Skandale den Mief um Holst am Zoo kann ich gerne in Zukunft verzichten, aber ich weiß auch, dass dieser Mief – wie diese zwanziger Jahre Hymne über die blauen Jungs – immer an Hertha kleben bleiben wird wie der halbseidene Charakter als sei die Hertha ein  Fußball-Zwilling der boxenden Rochigiani Brüder. Hertha zu lieben heißt auch: nie der favorisierte Verein der 11 Freunde und ihrer in Berlin verlegten Fußballkultur zu werden. Hertha ist nicht intellektuell. Hertha hat keine Vision – außer der zu gewinnen – ist kein Gesellschaftsmodell, kein Typ. Kein alberner. verkleideter Pirat oder Runkelritter a la Eisern oder gar ein Objekt der Begierde für politisch korrekte Künstler, Durchdenker, Kreative, Publizisten und sonstigen Ästheten, die nie über Netzer hinweggekommen sind. Hertha ist so kotig wie Du und ich – und der Fußball. Der Fußball, der nur eines will: gewinnen. Aber nie, nie, nie wird es für den gantz großen Scoop. recihen. Außer in der Erinnerung. Das ist Härter BSC

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