Archive for the ‘Monatskolumne’ Category

Xenia

Juni 23, 2014

Was mir den Tag versüßt hat? Wohl eher: Was hat mir die Woche versüßt. Meine Nichte.

Nun denkt ein Naseweis womöglich gleich das Schlimmste, aber – auch wenn ich nichts zu seiner, des Naseweisen Beruhigung beitragen kann – so handelt es sich hier um einen vollkommen unschuldigen Fall und das Mädel wäre auch zur Not mit Pfeil und Bogen gewappnet gewesen, um sich zu verteidigen. Nein, in meinen Alltag zwischen 0 und 1, zwischen Aufstehen, Flasche Bier, Falsche Neun und zu Bett gehen, hatte sich vor einigen Wochen meine Nichte, genauer gesagt der Wunsch meiner Großnichte einen Schülerpraktikumsplatz in meiner Firma zu bekommen, hineingedrängt.

Die Woche ist nunmehr um. Eine Woche lang haben wir Familie gespielt. Gemeinsam gekocht, in der Küche gegessen, etwas unternommen, den Tag beredet und am Freitagnachmittag, am Ende ihres letzten Arbeitstages, konnte ich ihr ihren großen Wunsch erfüllen: zweieinhalb Stunden lang 3D Tiere mit Kehlschüssen zu erlegen. Dafür hatte sie extra ihren Reiterbogen mit dabei gehabt. Ja, ich habe viel gelernt über Reiterbögen und Bogenschießen in der letzten Woche. Auch über die Familie der Bogenschützen. Alle Bogenschützen seien eine Familie lehrte mich in der letzten Woche meine Nichte und würden sich duzen. Innerlich habe ich nur „Ach, Du Scheiße“ gedacht, aber gelächelt.

Auf meinen zahlreichen Fahrten durch den Weststeil Berlins, sei es auf den Gleisen der U-Bahn von Ruhleben zum Olympiastadion zur alten Tante Hertha, sei es mit dem Karren zu den Havelstudios via der Havelchaussee, hatte ich bemerkt, dass abseits der Straße beziehungsweise abseits der Gleise und Bestimmungsorten der Navigationsgeräte, Tierattrappen und Bogenschussziele zu sehen sind. Bemerkt hatte ich diese aber erst, seit dem ich vor ein, zwei Jahren mitbekommen hatte, dass meine Großnichte mit dem Bogenschießen angefangen hatte. Jahrzehntelang hatte ich die ums Verrecken nicht wahrgenommen.

Zu ihrer Jugendweihe in einem Kinderheim – irgendwo zwischen Jens Weißflog und Rennsteig – hatte ich neben dem Geldritual anscheinend auch in ritualisierten Gesprächen fallengelassen, dass sie uns gerne besuchen und auch Pfeil und Bogen mitnehmen könne, weil es in Berlin sehr, sehr geile Schießanlagen gäbe. Die hätte ich selbst in Augenschein genommen. Daran muss sie sich erinnert haben, als sie einen Praktikumsplatz gebraucht hat.

Weil Bogenschützen eine Familie sind, ich gesagt hatte, dass man in Berlin super Bogenschießen könne und auf der Homepage des Vereins steht, dass „die Außenanlage ganzjährig 7 Tage die Woche zu jeder Zeit nutzbar“ sei, sind wir auch am Mittag des vorletzten Sonntags gleich losgedüst, zwischen irritierten Tennisspielern und Tenniseltern am Trainingsgelände durchgelatscht und mitten in ein Turnier der Bogenschussfamilie gelandet. OK. War Scheiße. Viele graue Jäger und Jägerinnen. Tolle Bögen. Spitze Pfeile. Keine Kinder. OK. War Turnier.

Die Jäger und Jägerinnen waren gerade zu Tisch, verspeisten womöglich ihre bis dahin geschossenen Styroportiere in Currysauce und meine Nichte durfte während dieser Pause sogar viermal ihren Köcher auf die 3D Figuren leerschießen und bekam obendrein noch Tipps a la mehr durchziehen oder mehr aus der Schulter.

Ich, ich muss reinen Herzens bekennen, dass ich das voll nett fand und die ganze Zeit nur Yeah! dachte. Yeah! Tolle Familie. Bester Onkel von der Welt. Du kommst irgendwohin, platzt denen mitten ins 3D Essen und darfst sogar kurz mitmachen. Hallo? Kein Gedanke irgendwo zwischen Spandau und Hellersdorf an der Tür zu klingeln und zu fragen, ob man mitessen dürfen, weil man extra aus Thüringen Messer, Gabel und Löffel mitgebracht habe? Ach kommt, das ist albern. Das ist auf die Fresse. Aber meine Nichte? War enttäuscht. Bester Onkel von der Welt? Ja, fick mich doch. Wobei ich natürlich nur Lob aus ihrem Munde gehört habe, beziehungsweise Zuckerlis bekam a la „Du kannst doch nichts dafür“ vulgo „Wir haben es eben versucht.“ Toll? Ganz toll.

Ab Montag war sie dann in meiner Familie, in meinem Job zwischen 0 und 1. Keine Ahnung was ich ihr beigebracht habe. Ihr Notebook ist jedenfalls wieder ganz und ich habe sie zu etlichen Terminen mitgenommen und dabei eine ganze Menge von ihr über Fanfiction erfahren. Das ist ihr 2D Ding. Fanfiction. In echt der 3D Kehlschuss und in virtuell: Fanfiction. Vampirgeschichten a la Biss in der Mitternacht.
Meine Ideen zur Ausschmückung der Geschichten kamen nicht gut an. Außer der einen Idee, über die Geschichte des schizophrenen Vampirs, dessen Ego einmal in das ich eines Reinblüters und einmal in das ich eines Hunters gespalten sei. Fragt nicht nach was Reinblüter oder Hunter sind, ich hab’s wieder vergessen, aber eigentlich dachte ich bei der Idee nur an eine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagt, aber es sind, so viel kann ich sagen: vordefinierte Rollen. Comedia del arte oder in 3D: Mittelalter. Keine Fanfiction Figur kann aus seiner Haut und trotzdem schrieb und schreibt meine Nichte denen Geschichte um Geschichte auf den Leib. Kunstwerk oder Desaster? Befriedigung wenn’s gut geht. Das Belohnungssystem läuft so ähnlich wie bei kV und ging zwischen uns soweit, dass ich mich zu unpassenden Schwanzvergleichen hinreißen ließ wer mehr Worte in eine Geschichte hineingepackt vulgo den längeren Atmen hat. So bescheuert wie die entsprechenden Top-Ten auf kV, die ich alle durchgearbeitet habe.
Ich muss gestehen, dass ich ihr zwar nicht ihre Ergebnisse in Fanfiction neidete, aber ihre Leidenschaft für das Schreiben. Ich neidete ihr das Erlebnis und war erst dann wieder mit mir versüßt, als es mir doch noch gelang, einen Platz zu finden an dem sie ungestört, zweieinhalb Stunden lang mit unentgeltlicher Betreuung und kostenlosem Personal Trainer ihre Pfeile zu verschießen, während ich sogar noch Gelegenheit hatte Gladiatorenkämpfern beim Training zuzuschauen.

Noch mehr versüßte es mir aber diesen Freitagnachmittag, dass es – obzwar lange vor Feierabend – mir scheißegal war, wer mich jetzt anrief und wer eine Störung in seinen elektronischen Datenströmen hatte. Ich konnte eben nicht. Der Moment den ich kostete war viel zu süß. Wieder profitierte ich davon, dass mich meine Nichte besucht und um ein Praktikum gebeten hatte.

Was sie aus dieser Woche von mir mitgenommen hat? Keine Ahnung. Wird schon was sein. Aber nach dem wir, meine Frau und ich, sie am ZOB abgegeben und in den Fernbus gesetzt haben, haben wir uns angeschaut, geküsst und uns – wie die Bergtrolle beim Anblick der Sonne – wieder in unseren versteinerten Alltag verabschiedet.

Das ist versüßt.

 

Ich, Wir und der Rest vom All (2)

Juni 7, 2014

Der Range. Der hat ja jetzt doch die Ermittlungen aufgenommen. Hat sich ja zunächst geziert. Ist wahrscheinlich auch bedingt dadurch, dass sein oberster Dienstherr ein Parteifunktionär ist, der gerade auch den Innenminister spielt. Erst konnte der Harald ja gar keine Ermittlungen aufnehmen, weil er weder Zeugen noch Beweise erkennen könnte, die die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens rechtfertigen würden. Das ist schon toll, dass der Range vor dem Ermittlungsverfahren schon zu wissen glaubte, was das Ergebnis sein würde. Noch toller, wenn man sich die Dimension des Falles und die nicht vorhandenen Dementis anschaut. Der Ansatz von Range alles lieber sein lassen zu wollen, nicht in einer solch hässlichen, tödlichen Wunde für jeden Rechtsstaat, zu rühren, ist menschlich total nachvollziehbar, denn wie im ersten Teil von „Ich, Wir und der Rest vom All“ dargelegt, als ich das moderne „Wir“ als egoistisches diekmannsche Bild-Ich identifizierte, kann ich Range verstehen, dass er sein ich nicht für das Wohl eines solch degenerierten „Wir“ aufs Spiel setzt.

Stattdessen und das passt nun wirklich wie Arsch auf Eimer, lässt er die vermutlich illegale Totalüberwachung von allen anderen links liegen, bzw. belässt diesen Verdacht im Status: wir beobachten das und stürzt sich stattdessen auf den Fall Angela. Geil. Das Wir Prinzip der Bildzeitung – Urahn ist wohl Kaiser Wilhelms Spruch der wohl heuten so lauten würde: Wir sind Deutsch – das Wir Prinzip der Bildzeitung findet nun den Weg in den deutschen Rechtsstaat. Wir greifen uns unsere Führerin, das oberste ich unseres Wir, heraus und schauen mal, ob diesem Ich Unrecht widerfahren ist. Wenn dem dann nicht so ist, ist für uns alle dann wieder alles tutti? Es ist eh ein Schmarrn, dass die NSA die Ausspähung unseres – „Wir sind Angela“ – Handy nunmehr unterlässt, wenn es alle anderen weiter überwacht.

Ein Handy ist ein Kommunikationsgerät. Wenn ich das Gespräch, die Mail, die SMS auf der andere Seite mithöre, mitlese, mitschneide reicht das vollkommen aus, um auch unser Angela ihr Handy weiterhin total zu überwachen. Aber das ist gut für die NSA und für Harald. Wenn Harald jetzt herausbekommen sollte, auch Dank Zeugenaussagen und Beweisen, die nicht von Snowden kommen, dass die NSA – Sowas! – die Angela abgehört hat, dann wird, die das einstellen müssen. OK. Hat sie schon. Aber der Range müsste nach dieser Logik nun jeden weiteren Telefonanschluss, Handy, Mailkonto prüfen bzw. prüfen ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Das ist so irr- wie unsinnig wie ein Ermittlungsverfahren nur wegen eines Handys einzuleiten. Wird nicht passieren und die Tatsache, dass wir alle abgehorcht werden bleibt unter Beobachtung. Wenn das Ermittlungsverfahren ob Angela abgehorcht wurde oder nicht, zum Schluss kommen sollte, dass sie es nicht wurde – umso besser! Mein Favorit für Ranges Exit Strategie ist aber: Nichts kann bewiesen werden. Es ist wie es ist und bleibt unter Beobachtung. Genau!

Ich, Wir und der Rest vom All

Juni 1, 2014

 

Seit Harald Range den Büttel aus Mangel an Beweisen hingeworfen hat, geht mir jetzt immer diese Strophe von Udo Jürgens durch den Brausekopf:

„Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals in Hawaii
ging nie durch San Francisco in zerriss ‘nen Jeans.
Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei,
einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh ‘n.

Und als er draußen auf der Straße stand,
da fiel ihm ein, dass er fast alles bei sich trug,
den Pass, die Eurocard und etwas Geld,
vielleicht ging heute Abend noch ein Flug.“

Seit Harald Range sich außer Stande sieht, Anklage zu erheben, ist mir auch bewusster geworden, dass ich Jeans, Eurocard, Pass und ein paar Euronen besitze und wie Udos lyrische Du mich in den nächstbesten Flieger nach wohin-du-willst setzen könnte.

Geht. Fliegt. Weg. Gar kein Problem.

Aber ist das Freiheit?

Da denke ich an den Protestanten aus dem Monty Python Sketch, der seiner Frau erklärt, dass er jederzeit zur Apotheke gehen könnte und Kondome – auch mit Noppen – sich besorgen könnte. Aus irgendeinem Grund macht er es aber nicht. Na, nicht aus irgendeinem Grund, sondern weil er bei seiner Frau eh nicht mehr rattenscharf wird oder den Drang verspürt, sich die Kleider vom Leibe zu reißen und sich einen Gummi um den Knüppel zu stülpen*. Das bloße, nackte Schwadronieren über die Möglichkeiten der Freiheit muss diesem Protestanten oder Freiheitsexhibitionisten als Ersatzhandlung reichen.

Ersatzhandlung? Wofür?
Um sich zu vergewissern, dass man es jederzeit tun könnte, wenn man will.

Da sind wir wieder bei Udo Jürgens oder seiner Quintessenz:

Jeans? Pass? Geld? Kein Problem! Du kommst überall hin.

Ist das Freiheit?

Wenn ich Sachsen zu Australien, Thüringen zu Asien, Sachsenanhalt zu Europa, Mecklenburg zu Afrika, Brandenburg zu Südameríka und Berlin zu New York (Nordamerika) erkläre? Dann ist die DDR auf Weltniveau und Du brauchst noch nicht mal einen Pass und es reichen sogar Alu-Dollar um einmal um die Welt zu kommen.

Reisefreiheit? Reisefreiheit ist wichtig, aber nur ein untergeordneter Aspekt der Freiheit. Freiheit meint – sehr im liberalen Sinne, sehr im Sinne eines Sir Ralf Dahrendorfs – ohne Repressalien, ohne Mobbing, ohne Nachteile, ohne Überdröhnung und ad hominem Angriffe von überindividualisierten Organisationen wie Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Lobbyorganisationen, freiwilligen (?) Feuerwehrverbänden oder gemeinnützigen Vereinen befürchten zu müssen, frank und frei seine Meinung sagen zu können! Ohne am nächsten Tag, wie in der kleinsten Klitsche von Dorf, hinten rum angewixt und weggemobbt zu werden; ohne befürchten zu müssen, dass die engste Familie, die eigenen Kinder für eine nicht auf Konformität und vorher abgesprochene bzw. geprüfte Meinung Repressalien erleiden müssen. Kurz und knapp:

Wie weit her ist es mit dem Spruch: „Ich bin zwar nicht ihrer Meinung, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass sie ihre Meinung vertreten dürfen.“

Wenn ich, mir die Kommentare zum letzten Formel 1 Rennen in Monaco durchlese – was für ein Break!- , komme ich zum Schluss, dass in der extrem individualisierten, extrem zum Egoismus neigenden Fahrerkaste niemand bereit ist, seinen Anstand, sein Ehrgefühl, seine charakterliche Integrität, geschweige denn sein Leben zu opfern, um dem Mitspieler die gleichen Chancen einzuräumen, die man selbst – dank allgemein geltender Regeln – erhalten hat.

In der Formel 1, der höchsten Klasse des Automobilsports, kommt meines Erachtens keiner auf die Idee, im Zweifel sein Leben zu geben, damit sein Kontrahent dieselbe Chance bekommt, um seine schnellste, beste, freiste Meinung zu äußern bzw. Runde zu drehen. Im Gegenteil.

Ein solches Ansinnen wird definitiv als falsch bewertet. Die Kommentare zum letzten Qualifying in Monaco (pars pro toto) lassen nur einen Schluss zu: Die Behinderung, die Zensur des Kontrahenten ist positiv zu bewerten, weil es den eigenen Erfolg wenn nicht erst ermöglicht so doch wenigstens zementiert hat.

Was aber hat Nico Rosbergs Ausbremser auf der Pirateninsel Monaco mit Sir Ralf Dahrendorfs Verteidigung des Individuums vor überindividuellen Organisationen zu tun? Eine ganze Menge. Zwar ist der Erfolg Rosbergs in der Formel 1 zuallererst sein individueller Erfolg und Rosberg muss auch über die Steuern hinaus keinen Cent mit mir oder uns teilen, aber Rosberg – sowie alle anderen Fahrer der Formel 1 auch – ist zu einer Projektionsfläche für überindividualisierte Interessen geworden. Das meint: Rosberg ist z. B. für RTL oder für bild.de Projektionsfläche nationalistischer Sehnsüchte geworden. Nationalistische Sehnsüchte hat Kai Diekmann kongenial zu: Wir sind XY geworden, verdichten lassen, wobei XY ausschließlich positiv bzw. überwiegend positiv besetzt ist. Im Falle Rosberg würde es lauten: Wir sind Weltmeister!

Wenn wir aber wirklich Papst, Export- oder Formel 1-Weltmeister sind, wenn wir uns die Erfolge eines Einzelnen, eines Irgendjemanden überstülpen und in seinem Erfolg sonnen können, dann machen wir uns aber auch mit seinen Methoden gemein, mit denen ein einzelner, egoistischer Karrierist und Egomane diesen Erfolg erlangt hat. Kurzum: Wir? Wir?? Ein solches „Wir“ besteht nur aus widerlichen Egoisten.

Will ich oder wollen Sie etwa Papst oder sich gemein machen mit Jemandem, der sich selbst zum Papst, zum Stellvertreter Gottes auf Erden gewählt hat? Verbrüdern möchte ich mich nicht mit jemandem, der sich solches anmaßt. Aber selbst Weltmeister im Kreisfahren möchte ich nicht sein, schon gar nicht in der diekmannschen Egoisten-Wir-Form der Bildzeitung:

Wenn ich via medialer Proklamation a la „Wir sind!“ Weltmeister werden kann, weil ich mich damit identifiziere, dass ein in meinem Namen vorgeschobenes Charakterschwein seine Kontrahenten nicht illegal aber auch nicht fair, sondern mies behindern musste, um sich und mich zu krönen, ist das nicht Ausdruck von „Cleverness“, Kai Diekmann, sondern die widerliche Krönung von Scheißdreck, die sich nur charakterlose Mistkerle ausdenken können.

Zumal die Skalierung der Leistung eines Einzelnen zu einem Wir nur supranational bzw. weltweit funktionieren kann und eine Einengung des „Wir“ auf nationale Grenzen nicht nur grenzwertig sondern zutiefst engstirnig, Entschuldigung: belämmert bzw. doof, dumm und schweineblöd ist, dass es einem die Zehennägel nach oben biegt.

„Wir sind Papst!“ titelten die charakterlosen Schweinepriester von der Bild, wohlwissend, dass dieses „Wir“ als deutsches, als nationalistisches „Wir“ verstanden werden würde – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Bundesrepublik. Der Stellvertreter Gottes auf Erden war demnach ein Deutscher. Kein NPD Plakat kann ausgrenzender oder widerlicher sein, als die Schlagzeile. „Wir sind Papst!“ Es ist einfach nur geschmacklose Scheiße, die der Katholik Diekmann im Sinne des Presserechts unter seinem Namen zu verantworten hat. Zur Klarstellung. „Wir sind Papst!“ ist so Verachtungswürdig wie „Deutsche, die ihr Stellvertreter Gottes auf Erden seid: Finanziert keine Griechen!“

Die offen nationalistische Vereinnahmung des Stuhls Petri zeigt wie keine andere Schlagzeile wie nationalistisch und rassistisch die Bildzeitungsredaktion denkt und arbeitet. Ironie ist kein Mittel für ein Boulevardblatt und daher steht „Wir sind Stellvertreter Gottes“ für nichts anderes als das Selbstbild der Chefredaktion der Bildzeitung: „Wir sind Stellvertreter Gottes!“ Vollkommen frei von Ironie.

Die Ehrlichkeit vermisse ich, die eingesteht: „Wir stehen dazu, dass wir Scheiße, sofern sie erfolgreich ist, begehrenswert und damit richtig finden und scheuen uns daher nicht zuzugeben: Wir sind erfolgreiche Scheiße. Wir sind clevere Scheiße. OK: Wir sind Scheiße.“

Iich schweife ab. Wo war ich, nicht wir!, wo war ich stehen geblieben?
Ach, ja:
Seit Harald Range den Büttel aus Mangel an Beweisen hingeworfen hat, geht mir jetzt immer dieser Satz von Ulbricht durch den Brausekopf:

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten …“

 

–          aber ich habe die Absicht mich weiter auszukotzen.

Verwirrungen und Vernetzungen

Juli 23, 2013

Haben Sie auch den Überblick verloren?

 

Ich schon.

Komplett. Wo ist oben, wo ist unten?

Keine Ahnung.

Jeden Tag neue Absurditäten und Irrwitzigkeiten. Gestern habe ich den Film „The Adjustment Bureau“ gesehn. Naja, halb gesehen. Bin eingeschlafen.  Aber diese grauen Herren – so wie in Momo – mit ihren Schicksalsbüchern erinnerten mich wieder an die NSA und die aktuelle Debatte. Debatte? Eigentlich gibt’s ja keine Debatte. Gab’s überhaupt einen Brennpunkt dazu? Ich glaube nicht. Das ist wohl Neuland … oder, nicht? Nein, das ist bekannt, das war schon 2001 so und Pofalla, als zuständige Schnittstelle zu den Geheimdiensten kann wochenlang weiterschlafen, während der gar nicht für Geheimdienste zuständige Innenminister Friedrich nach Amerika jettet und mit nichts zurückgekommen ist.

Wir werden immer noch abgeschöpft, oder? Warum fragt keiner die uckermärkische Merkel, wann das aufhört? Bzw. was Sie zu tun gedenkt, damit das aufhört? Und warum sieht der grandiose wie bunuelhaftige Freiheitspräsident Gauck im elektronischen Ausschnüffeln riesige Unterschiede zur Schnüffelei der Stasi? Die machten das ja immerhin noch manuell, handwerklich heraufordernd auf Schreibmaschine während das Prism-Dings kein Staatssicherheitsober- oder Unteroffizier ist, sondern ein 24/7 Programm, das alle Berichte automatisch erstellt. Erich M. hätte alle IM’s entlassen, wenn er Prism gehabt hätte. Aber meine Kanzlerin fragt sich dagegen ob Prism eine Datenbank, ein Schnorp oder eine Ober- oder Untermenge ist? Ach komm, Angela? Bist Du etwa genauso verwirrt wie ich? Weißt Du auch nicht mehr was gespielt wird? Den Überblick verloren? Na dann küss mich Süße.

Aber umso wichtiger wäre es meines Erachtens Fragen zu stellen, oder Angie? Was nutzt mir denn dieses Prism? Supersicherheit!, sagt Herr Friedrich. Der kann sich aber nicht entscheiden ob fünf oder fünfundvierzig Anschläge durch Prism verhindert worden sind. Ja wie denn nun? Ich nehme also an, das das Programm oder die NSA und ihr Programm so toll sind, dass es mich diese Zeilen schreiben lässt, ohne dass mich ein Taliban in die Luft sprengen kann. Ätsch! Das ist Supersicherheit. Muss ich von ausgehen. Moment: ich muss natürlich schreiben, dass Mohammed der Prophet eine esoterisch-hysterische Lesbe mit einem beschnittenen, jüdischen Lümmel gewesen ist und wenn ich deswegen innerhalb von Stunden, Tagen Wochen oder Jahren(?) nicht  in die Luft gejagt oder auf offener Straße zerschnitten werde, dann bin ich im Besitz der Supersicherheit und Dank der Supersicherheit ist mir meine Meinungs- und Handlungsfreiheit gewiss?

Und dank der Supersicherheit gibt es jetzt, Anmeldepflicht und zwei Sicherheitsschleusen vor dem Eingang des Reichstages bevor auch nur ein Volker des Volks sein Haus betreten darf? Für diese Supersicherheit haben die MdBs gesorgt und so erklärt sich mir, dass der Friedrich sagt: Du Volk, kümmere Dich gefälligst selbst um Deine Sicherheit! Bau Dir eigene Sicherheitsschleusen! Eigentlich nur konsequent: Die MdBs litten anscheinend unter der permanenten Transparenz, dem anonymen Ansturm der Massen, so dass sie das Haus des deutschen Volkes verschlüsselten. Die MdBs litten darunter, dass Krethi und Plethi ins Haus hineinkamen und einfach mal gucken durften. Das ist unangenehm. Nicht umsonst haben Mitglieder des Bundestages auch einen Reichskindergarten installiert – ohne Chance für Kevin und Chantal aus Spandau.

Kurzum: der Mensch, der Supersicherheit genießt, muss trotzdem selbst dafür sorgen, dass keiner, erst recht nicht Krethi und Plethi, die Mails in seinem Postfach, ob Eingang oder Ausgang,  lesen können. An sich sympathisch, dass Friedrich zugibt, dass seine charakterliche Destruktion soweit fortgeschritten ist, dass er zugibt, dass er als Bundesminister nichts daran findet, jedwede Post zu lesen, die nicht für ihn bestimmt ist. Warum? Weil sie nicht verschlüsselt ist.

Wenn ich Tochter oder Sohn von Herrn Friedrich oder Frau Merkel oder Herrn Pofalla wäre, wüsste ich jetzt, dass diese Personen nicht nur Schwierigkeiten haben, ihre Nase nicht in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen (Tagebücher der Kinder, Mails der Bürger), sondern sogar Schwierigkeiten haben, darin eine charakterliche Degenerierung zu erkennen! Wie war das mit Ober- und Untermenge Frau Merkel? Demnächst mehr Verwirrungen …

Wir sind Kirk!

August 7, 2011

Nachhaltige TV Erlebnisse

 

Weil gerade das Raumschiff Orion mal wieder über den Schirm flimmert und seinen nostalgischen Start im Kopfschmerztablettenwasserglas absolviert, fühle ich mich berufen nachzulegen. Schlimmer kann’s ja gar nicht werden, oder? Nachhaltiges TV Erlebnis war das Raumschiff Orion zwar auch, aber doch eher ein unreflektiertes und so unscharf und schwarz-weiß wie meine Erinnerungen daran. Nachhaltiger, weil ungleich stärker konsumiert, ist das Raumschiff Enterprise für mich gewesen.

 

Die Sucht oder mein seinerzeitiger Wahnsinn gipfelte darin, dass ich zur Premiere der Voyager Staffeln eine Einladung annahm, die so aussah, dass man sich in einem Berliner Kino den Pilotfilm der USS Voyager reinzog mit einer Präsentation durch Leutnant Uhura.

Im Anschluss an den Pilotfilm wurden dann alle bis dato gedrehten Enterprise Kinofilme nacheinander gezeigt. Damals endend mit dem ersten der Picard Crew (Treffen der Generationen.) Start Freitag 20.00 Uhr, Ende Samstag 10.00 Uhr. Ich habe durchgehalten. Bekloppt? Unbedingt. Wie ich aber schon damals wusste, bei weitem nicht so bekloppt wie Hardcore Trekkies werden können. Lichtjahre davon entfernt. Aber was macht(e) den Reiz der Enterprise für mich aus?

 

Ohne Anspruch auf filmwissenschaftliche oder soziologische Angemessenheit, bzw. mir überhaupt die Mühe machend, zu kontrollieren wie schlau oder dumm meine Sicht auf die Enterprise ist, weiß ich, dass ich damals schon einen AHA Effekt bei der Kirk Staffel erlebt hatte, welcher mir erklärte warum mich die Staffeln um Kirk – und im übertragenen Sinne auch die Staffel um Captain Picard – was denn sonst als? – faszinieren mussten!

 

Worum geht es in Star Trek? Es sind die ganz und gar irdischen Frage nach dem Menschen. Was will er? Woher kommt er? Wie wird oder wurde er zu dem, was er ist? Beschäftigte schon Fred Feuerstein und Sience Fiction ist das nicht. Das ist Lebensgefühl von allen. Wenn man es aber technisiert, ist es das Lebensgefühl von kleinen Jungs und großen Kerlen, die Pipi in die Augen bekommen, wenn sie einen Stromkreis – brzzzt – korrekt geschlossen haben und ein Wolframfaden zu leuchten beginnt. Ja, schon scheiße, wenn Mann nicht schwanger werden kann und Übersprungshandlungen dafür erfinden muss.

 

Ernsthaft: Das Sience Fiction Setting der Serie machte Star Trek, zumal im Kirkschen Zeitalter, zu einem m. E. stark männlich geprägten Abenteuer oder aus männlicher Sicht erzählten Abenteuers. Einem Abenteuer mit einem männlichen Blick auf die Welt. Der Clou ist: Es ist tatsächlich nur ein Blick auf die Welt, respektive des Universums. Es ist Kirks Blick. Es ist Kirks Reise durch das Universum und das eigentliche Universum, die wirklich unentdeckten Weiten des Universums, sind alle in Kirk selbst.

 

Kirk ist der kleine Junge, der große Abenteuerer und vor allem auch – klar: männlich – eine verdammte Großfresse, ein Lautsprecher und Poser. Aber in jeder Folge vollzieht Kirk eine Entwicklung, vom Uga-Uga-Uga-ich-bin-hier-der-chef Primaten zu einem zivilisierten Helden männlichen Schlages. Wie das?

 

Das Raumschiff, in dem sich dieser Gernegroß Kirk bewegt, ist, eigentlich sein Körper. Kirk, warum auch immer, glaubt in diesem Körper, das Kommando zu haben. Dabei unterstützen ihn seine zwei Augen: Chekov und Zulu, sein Gehör: Leutnant Uhura, sein Gewissen: Pille alias Dr. McCoy und vor allem sein Verstand: Mr. Spock. Und wer ist Scotty? Scotty, ist der Mann, der einen Überlichtantrieb, den berühmten Warpantrieb, mit einem Schraubenschlüssel, büschen Öl und einem zölligen Schieber wieder in Gang bekommt, ist Herz, Leber, Niere kurz: das gesamte vegetative System Kirks.

 

Dieses Ein-Mann-Schiff cruist durch das Universum und anhand der Rollenverteilungen erkennt man: Es ist sehr testosteronlastig. Nur Uhura, die Kommunikationschefin (sic) ist weiblich. Sie hört die Schwingungen, fühlt Dinge, die sich auf keinem Schirm der Enterprise visualisieren lassen. Das ist bei der Picard-Crew in der Figur der Mentalistin Deanna Troi noch – meinethalben – chauvinistischer gezeichnet worden. Kurzum: Das Weibliche steht auch schon in der Kirk Phase für das, was zwischen den Zeilen steht, um nicht zu sagen für das Übersinnliche. Es ist das, was kein Mann, selbst mit tausend Warps, je erreichen wird: eine Frau zu sein.

 

Ein Zweites, was ein Mensch, seien es Kirk, Jane oder Luc, nie werden erreichen können, ist der Zustand der reinen Vernunft. So ist es nicht verwunderlich, dass Spock nicht irdischen Ursprungs ist. Er ist Vulkanier. Er ist Ausländer, Gastarbeiter, um nicht zu sagen Halbmensch im Sinne von Halbjude und sein analytischer, mathematischer Intellekt ist dem der Menschen weit überlegen.

 

Ein Mann kann also keine Frau werden, und kein Mensch ist so schlau wie der Ausländer Mr. Spock? Kein Mann. Im Sinne Kirks, würde bestreiten, dass er verloren wäre, wenn es keine Frauen gäbe und jeder Mensch, unbestritten, bliebe Primat, wenn er keinen Verstand besäße. Was folgt daraus? Z. B.: Der Klu-klux-clan kann Star Trek nicht mögen.

Die einzige Frau in Kirks Universum, welches in den sechziger Jahren geschöpft wurde, ist dunkelhäutig und der Verstand, der Kirk begleitet ist nicht irdischen Ursprungs. Mehr noch: der Verstand, der Kirk begleitet hat alle negativen Attribute, die man sich vorstellen kann. Ursprungsland des Spockschen Verstandes? Vulkanien! Eruptiv, emotional, unberechenbar. Spocks Stand? Mr. Nicht Dr. Wer ist der Dr.? Pille! Der gefühlsduselige Trinker. Woran erinnert uns das? An Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Aber bei Star Trek ist der Mr. der Dr. und nicht umgekehrt. Bedenken Sie das für eine Minute, versetzen Sie sich in ein westliches Land der sechziger Jahre: der Ausländer in der Crew ist schlauer als Du und das, was jedem Mann fehlt, was jeder Mann begehrt, ist: weiblich und schwarz! Das ist subversiv. Aber es wird noch subversiver.

 

Mr. Spock und Dr. McCoy, Hyde und Jekyll, sind zwar die größten Antagonisten im kirkschen Universum, spielen sie doch Vernunft und Gefühl, Geist und Gewissen, aber Dr. McCoy, und deshalb ist er auch der Doc im Sinne des Feelgood-Doc und Spock der unpersönliche Mr., und deshalb ist der impulsive Dr. auch nicht von Vulkanien, obwohl er es sein müsste, sondern er ist die Pille! Das Helferlein im kalten, großen Universum des Lebens. Die Pille hilft. Pille ist gut und deshalb eine Pille, die zwar intellektuell Spock unterlegen, die impulsiv und den Lastern nicht abgeneigt, aber Balsam für die kirksche Seele ist.

 

Aber wer ist der Böse? Wer ist Mr. Hyde, wenn es McCoy nicht ist? Die Klingonen? Die kommunistische Bedrohung des kirkschen Weltalls? Ja, die sind schlecht für Kirk. Die sind schlecht, weil sie wie die Borgs im Picards Universum den Individualismus unterlaufen, weil sie per se Individualismus nicht kennen. Aber sie sind nicht böse. Sie sind anders. Sie sind, wie sie sind und da sind wir bei der obersten Direktive des Star Trek Universums.

 

Das eigentliche Böse ist gut verborgen, hidden: Mr. Hyde sind aber nicht die Direktiven, schon gar nicht die oberste Direktive, welche ein verbindliches Nichteinmischungsprinzip in die internen Angelegenheiten anderer „Zivilisationen“ enthält (zit. nach Wiki Artikel Star Trek). Die Bösen sind die, die die Direktiven verwalten, die anonymen Verwalter und Strategen der Sternenflotte, die, die Kirk (alle kleinen Jungs und großen Kerle) instrumentalisieren wollen. Es sind nicht die Klingonen. Es ist der Staat.

 

Was ist daran subversiv? Nun, in die Menschwerdung Kirks, in seine internen Angelegenheiten, seine Diskussionen mit Pille, Spock und Uhura, hat sich niemand einzumischen, seine Eltern, seine Familie, sein Staat haben außen vorzubleiben.

In der nächsten Folge geht es um Hybris, Picard, Data, Quanten und Pinocchio.

PS: Bitte bewerten Sie als literarische Ratingagentur diesen Text single, double oder triple A, B; C. Dankeschön.

Comic und Filme

Juni 18, 2011

Comic Filme

I.

Seit ich lesen kann, lese ich Comics. Angefangen mit den Rolf Kauka Versionen von Spirou und Fantasio, die bei Kauka Pit und Pikkolo hießen und statt des Marsupilami hieß es Kukurukumiko, sowie Kaukas Eigengschöpfen wie Fix und Foxi, Lupo und Professor Knox. Deren aberwitzigste Geschichte mir mit dem OHO in Erinnerung ist. Natürlich auch die ersten fünfzig lustigen Taschenbücher von Walt Disney und die damaligen Donald Duck Sonderbände. Dann kamen Asterix und Obelix, bzw. schleppte mein Vater sechs, sieben oder acht von den Alben nach Hause. Wir lasen es gemeinsam, wir lernten es auswendig und wir werfen uns noch heute Stichwörter aus diesem Leseerlebnis an den Kopf.

Obwohl die Geschichten der Gallier sicherlich die erfolgreichste Comic Reihe ist und diejenige war, die in Deutschland am Stärksten für einen besseren Ruf der Comics gesorgt hat, so ist sie ausgerechnet die Reihe, dessen Verfilmungen – ich wette mal jeden Comic Enthusiasten – relativ kalt lasssen. Zumindest so lange kostümierte Schauspieler, Witze nacherzählen müssen, können sie nicht brillieren oder den Zauber wiedergeben, den ein Comic für mich birgt.
Die Faszination, die Asterix und Obelix verströmen, liegt zu neunzig Prozent im Text, nicht in den Bildern. Der Text, die Dialoge überstrahlen alles – das ist so bei Umpapah, Isnogud und Lucky Luke – wobei ich Morris, den Zeichner und Erfinder (?) von Lucky Luke, noch als den stärksten Widerpart zu Goscinny erachte. Anders gesagt: Wer etwas über Tempo und Timing lernen will, wer wissen will, wie Geschichten und Pointen funktionieren, der ist bei Goscinny herrvorragend aufgehoben, aber das ist unabhängig vom Medium dessen er sich bediente.

Wer wissen will, was Comic kann, sollte sich vom Dramaturgen, Hauptdarsteller und Regisseur Goscinny lösen. Wenn es Comics gibt, die nicht annähernd in der Qualität wie das Original in ein anderes Medium transponiert werden können, dann die Funnys von Goscinny. Versuchen Sie mal einen Film z. B. der Marx Brothers äquivalent aufs Papier zu bringen?

Die Exkursion über Goscinny musste sein. Denn Asterix und Obelix haben in Deutschland einen sakrosankten Ruf für Comics erreicht, wie ihn z. B. Loriot für Humor hat. Das ist – in diesem Fall – leider hinderlich, weil mühsam erklärt werden muss, warum eine tiefere Beschäftigung mit A&O für das Thema Comic (und Film) nicht ergiebig sind.

Vielversprechender für die Beschäftigung mit Comic und Film, sind schon die Abenteuer von Tim & Struppi, deren Kino Debut kurz bevor steht. Diese Alben bergen mehr Stoff- und Spielmaterial für einen Film, als jede Asterix und Obelix Geschichte, auch wenn sie wie diese im klassischen Stil gehalten sind.
Mit klassisch meine ich im Sinne der belgischen Schule. Stilführend für diese Reihen sind die Arbeiten von Herge, Franquin, Peyo, Fournier und E. P. Jacobs:

[Quote] Kennzeichnende Merkmale sind präzise Konturen und die flächige einfarbige Kolorierung. Die Zeichner verzichten weitgehend auf Schraffuren, Schattierungen und Farbverläufe. In den Comics der Ligne Claire werden Personen gern in vereinfacht-abstrahierter Form dargestellt, während Dekor und Hintergrund meist in realistischer Manier abgebildet werden.[/quote] Siehe Wikipedia zu Ligne Claire

Der Effekt dieser Technik ist durchaus vergleichbar mit der High Definition Technik. von heute. Die Abenteuer von Tim und Struppi waren nichts anderes, als James Bond Abenteuer aber schon damals in HD Qualität.

Aber den Alben dieser Reihen ist die Abstammung vom Comicstrip noch all zu deutlich anzusehen. Jede ihrer Comic-Seiten wird in klar voneinander abgegrenzten, rechteckigen Koordinaten aufgeteilt und Bild und Sprechblasen sind mühelos gemäß des europäischen Leseflusses von links oben nach rechts unten angeordnet. Experimentell für diese Schule ist da schon die Eingangssequenz des Asterix und Obelix Abenteuers: Die große Übefahrt. Dessen Anfangsseite, bzw. die Bilder in den Koordianten auf der ersten Seite sind weiß. Das war Uderzos und Goscinnys größter Wagemut nach dreiundzwanzig Alben, neue Comic- Welten zu entdecken, bzw. den Leser aufzufordern seinen Horizont zu erweitern – und es verwundert bei Goscinny nicht, dass er bei dem Titel und dem Inhalt bereit war – für ihre Verhältnisse – Wagnisse einzugehen. Anders formuliert: die von mir erwähnten franko-belgischen Reihen plazierten die Kamera ähnlich wie die Filmpioniere des ganz fühen zwanzigsten Jahrhunderts mittig-mittig in den Zuschauerraum und tuschten und tuschen noch immer aus dieser Perspektive brav ihre Daumenkino-Bilderstrips mit immer besserer Technik.

Der große Filmpionier Re- und Evolutionär W. C. Griffith* versuchte nach relativ kurzer Zeit mehr mit den Mitteln seines Mediums, als die eben genannten Comic Zeichner es nach Jahrzehnten tun. Griffith revolutionierte den Schnitt und die Kameratechnik, führte neue Elemente ein, während die Genannten den vorgegebenen Stil im Medium Comic perfektionierten und noch heute perfektionieren und erst jüngst – so als spräche es all dem was ich gerade labere Hohn – einer die charmanteste und genialste Fortführung dieser Schule ablieferte und gleichzeitig deutlich machte wieviel Potential sie hat. Dazu aber später mehr.

Nicht, dass es in Frankreich, Belgien oder in Europa nichts anderes als Geschichten a la den Schlümpfen gegeben hätte, aber bevor ich Enki Bilal oder Moebius entdeckte, eröffneten mir die Amerikaner, Eisner, Spiegelman und Crumb neue Welten. Keine Knollennasenmännchen. Keine Welten wie sie moderne Blockbuster des modernen Kinos gerne abbilden, sondern häßliche, reale Schwarzweißwelten. Während Crumb u. a. klassisch-knuffige Knollennasen und Figuren aus dem klassischen Comicuniversum in die Welt realer Anarchisten, Terroristen, Gottsuchern, Sexfanatikern oder Exploranten des Enddarms überführte, also die Realtät im doppelten Sinne überführte, nutzte Eisner den Comic nicht um zu vereinfachen, oder mit vereinfachten Figuren eine Geschichte zu erzählen, sondern erzählte im Stile eines penibel ausgearbeiteten Film-Storyboards Geschichten wie sie später ein Paul Auster z.B. in Moon Over Manhatten oder New York Stories erzählt.
Spiegelmans „Maus“ nutzt hingegen konsequent und sicherlich bei dem Thema Holocaust nicht gerade naheliegend – sogar widersprechend – die vereinfachenden, abstrahierenden Möglichkeiten des Comics. Spätestens am Ende des Comics** „Maus“ gibt es aber keine Mäuse mehr. Am Ende sind die Figuren und ihre Geschichten dem Korsett ihrer Stereotype entwachsen. Sie sind Individuen, keine Karikaturen oder Sammelbegriffe. Maus? Ja! Aber nicht Maus.

Dennoch sind auch die letztgenannten Autoren im Käsekästchen eines Comicstrips verfangen – da helfen auch die Ausgaben der Sketchbooks von Crumb nicht.

Aber mit diesen drei Comic Autoren, die gerne auf Colorierungen verzichten, wollte ich verdeutlichen, wie unterschiedlich die Möglichkeiten des Comics genutzt wurden, bzw. und besser: wie ich diese Möglichkeiten erfahren, rezipiert habe.

Braucht Hertha eine Vision?

September 21, 2010

Dem Fußball fehlt vielleicht ein Vision. Hertha nicht.

Heutzutage ist jeder Verein – auch die Eisernern – in der Geld- und Erfolgsmühle. Hertha mit dem heutigen Potential das Oly zu füllen, steckt in der Bedrouille, dass das Potential sich verringert, wenn sich auf Dauer keine Erfolgserlebnisse einstellen. Die Vision lautet bei Hertha wie bei Buzz Lightyear: Meister werden bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter! Forever Number One bzw. Bayern München werden. Vison Ende.

So ein Spiel, wie das der Füchse gegen die Zebras wird Fans binden, pflegen und neue gewinnen. Aber eben auch Erwartungen schüren. Wer den Champions League Sieger schlägt und die Tabellenspitze erklimmt, kann auch Meister werden. Ein prickelndes, belebendes, erfirischendes Gefühl. Wie Champagner. St. Pauli benannte es punktgenau mit dem Weltpokalsiegerbesieger Slogan – und vermarktete diesen, einen Sieg professioneller als Bayern München all ihre Pokale. Siegerbesieger ist ein geflügeltes Wort geworden, was das Branding von St. Pauli hat. Unbezahlbar – wenn man es vermarktet, ansonsten ist es kostenlose Nostalgie.

Vor mehr als einem Jahr schlug Hertha die Bayern und erklomm mit diesem Sieg auch noch die Tabellenspitze. Ein vergleichbares Spiel zu den Füchsen und auch zu St. Paulis Sieg. Das haben die Hertha-Fans und das Berliner Fußballpublikum nicht vergessen. Ich bestimmt nicht. Trotz einer katastrophalen Saison im Anschluß. Vergessen aber, bzw. kein Grund mehr zu Hertha zu gehen, sind die Protagonisten dieser unglaublichen Nummero Uno Saison mit einer gefühlten zweistelligen Anzahl an Spieltagen an denen wir die Tabellenspitze besetzt haben und ein Lied kreiert wurde: „Hey, was geht ab?“

Ja, was geht denn noch ab? Zumindest gehen heute keiner der Voronins, Friedrichs, Simunics, Drobnys und Pantelics ab. Nur im Sinne von: Geht ab, denn sie sind weg. Obwohl sie nicht einmal im Ruhezustand ist. Sie sind jetzt Helden oder Versager für Andere, die dieses Lied oder ein anderes singen. Fragt nach bei Wolfsburg, den HSV, Moskau oder Amsterdam. Austauschbar wie Panini Bildchen. So lange sie unter unserer Kuppel waren, waren sie eine Attraktion: Heilige und unvergessen. Jetzt, sind sie weg. Na gut, dann kommen neue Clowns und ein heutiger Besuch im Oly bringt sie uns nicht näher. Im Gegenteil. Ihr Auftritt: Herr Schulz, Herr Djuricin und co. Wenigstens für die Dauer des Engagements.

Ich bin in der letzten Saison nicht Mitglied bei Hertha geworden, weil Hertha eine Vision hat oder tolle Fans, sondern  weil Hertha trotz oder wegen seiner Irrungen der Club ist, der mich wie ein Entenküken geprägt hat aber auch der Club ist, der Bayern, Mainz, HSV, S04, Pauli und Gladbach zusammen ist. Bauten wir uns ein Stadion, wären wir auch noch Eisern. Hertha? Hertha ist vollkommen durchgeknallt und die allerschärfste Achterbahn der Liga.

Hertha ist 1978/79 im Habfinale des Uefacup gewesen, 1986/87 in der Dritten, nicht der dritten Profiliga sondern der Amateur-Oberliga, weil Alemannia Aachen zu stark für die Hertha gewesen war, 1997/98 wieder in die Erste aufgestiegen und eigentlich auch wieder mal nach einem Jahr aus der ersten Liga abgestiegen, aber, denkste Härtha, 1999/2000 in der Champions League gewesen und gegen Barca unentschieden gespielt und – hau wech den Schaiß –  AC Mailand, FC Chelsea geschlagen, in der Saison 2008/2009 am 24. Spieltag mit vier Punkten Vorsrpung die Spitze der Liga besetzt aber im Jahr 2009/2010 die Negativrekorde von Tasmania 98 gebrochen. So zwischendurch mal hat die Amateurabteilung der Hertha im Stile einer Fohlen-Elf das Finale eines DFB Pokals erstürmt. Wow.

Diese Kapriolen schlägt – was die letzten drei Jahrzehnte angeht – keiner. Frankfurt vielleicht. Aber denen fehlt die offiziellle Abmahnung für ihr Tun. Während die Hertha ganz inoffziell-italienisch für Herrn Canellas gekickt hat. Ja, diesen Schmutz trägt nur noch das Schalker Königsblau als Alleinstellungsmerkmal.

Hertha ist Fußball. Schmutzig und Glänzend und auf jeden Fall bewegend – auch wenn nichts mehr zu gehen scheint. Hertha ist ein ewiges Versprechen auf die perfekte Saison, den perfekten Lauf. Hertha zu lieben heißt: nie deutscher Meister werden. Außer in der Erinnerung. Auf die schmutzigen Seiten, die Skandale den Mief um Holst am Zoo kann ich gerne in Zukunft verzichten, aber ich weiß auch, dass dieser Mief – wie diese zwanziger Jahre Hymne über die blauen Jungs – immer an Hertha kleben bleiben wird wie der halbseidene Charakter als sei die Hertha ein  Fußball-Zwilling der boxenden Rochigiani Brüder. Hertha zu lieben heißt auch: nie der favorisierte Verein der 11 Freunde und ihrer in Berlin verlegten Fußballkultur zu werden. Hertha ist nicht intellektuell. Hertha hat keine Vision – außer der zu gewinnen – ist kein Gesellschaftsmodell, kein Typ. Kein alberner. verkleideter Pirat oder Runkelritter a la Eisern oder gar ein Objekt der Begierde für politisch korrekte Künstler, Durchdenker, Kreative, Publizisten und sonstigen Ästheten, die nie über Netzer hinweggekommen sind. Hertha ist so kotig wie Du und ich – und der Fußball. Der Fußball, der nur eines will: gewinnen. Aber nie, nie, nie wird es für den gantz großen Scoop. recihen. Außer in der Erinnerung. Das ist Härter BSC

Inglorious Basterds

August 25, 2009

Pünktlich saß ich im Sessel, dass Licht ging aus und ich musste das erste mal grinsen: Ein klassischer Vorspann. Das ist eine, wie ich finde, schöne Sache, weil der Nachspann nicht mehr beachtet wird. Aber der Vorspann war nicht einheitlich, mal erinnerte er mich an Italo Western, mal mich an den Schriftzug vom Paten und dann wechselte er wieder und ich war überfordert wo ich die Schriftart hinpacken sollte – aber ich war glücklich.

Dann erblickt das Auge eine endlose Landschaft gespickt mit Feldern und eine Zeile erscheint, die sowohl an Leones Meisterwerke erinnert, aber eben auch das klassische Märchenmotiv ist: Once Upon a Time.

Wir können das jetzt drehen wie wir wollen: Italo Western oder (Grimms) Märchen. Beides zeichnet sich durch hohe Brutalität und dadurch – logischerweise – fragwürdige Moral aus.

Da, wird der Wolf aufgeschnitten und es werden ihm Steine in den Magen gelegt – das ist nicht nett. Oder sagen wir es anders: die Todesstrafe für die Bösen wird in den Märchen ganz selbstverständlich vollstreckt und manchmal auch mit finsterster Durchtriebenheit. Ja, in den Märchen ist eben klar, wer gut und wer böse ist, da macht das Meucheln Spaß.

Dort aber, im Italo Western, ist der Hurra-der-Jäger-ist-jetzt-da, der Cowboy mit dem knallweißen Hut im stark gebügelten Hemd, nicht Stilelement. Im Italo Western ist Henry – Blauauge – Fonda auf einmal nicht mehr der Edle, sondern der Bösewicht, der seinen Priem auf die Straße schnoddert und der häßliche, unbekannte Bronson ist sein Racheengel. Ist Bronson auch der Gute? Tja, die Kategorien Gut und Böse, schwarz und weiß, sind von Leone gestrichen worden – was aber nicht heißt, dass alles erlaubt ist.

Once Upon a Time – so stehts nun auch bei Tarantinons Basterds geschrieben und „Für Elise“ untermalt das wunderschöne, paradiesische, ja märchenhafte Ambiente. Aber mit, dem ganz leicht hinterhinkenden: In Nazi occupied France, dem einsetzenden Motorengeräusch und dem abbrechenden klassischen Klavier Thema hin zum klassischen Morricone Thema, ist die Verirrung perfekt.

Wie jetzt? Ein Märchen mit Nazis? Vermixt mit einem Sphagetti Western a la Leone? Will mich Tarantino verarschen? Nein, der will nur spielen – Verarschung inkusive.

Aber das Spiel geht auf. Mit einem Schlag ist es ein Western und ist es doch ein Märchen. Wer ist der beste, böse Wolf, den sich nur die Realtät hätte ausdenken können? Der Nazi. Aber wo bleibt dann der blauäugige Fonda? Wo ist der Teufel den Leone losgelassen hat, um die Muster zu brechen? Wo ist der böse Henry, der das Publikum damals geschockt hatte, weil er sonst immer der Gute war? Wo ist Henry Fonda?

Man muss dem Film – den Inglorious Basterds – nur ein, zwei Minuten geben und dann entdeckt man, dann ensteigt dem Wagen: Hans Landa.

Landa hat keine blauen Augen, er ist nicht hübsch, aber: er ist kultiviert, akzentuiert, sinister und als ob das noch nicht ausreicht: er spricht, wie der Teufel, in verschiedenen Zungen und statt Wein trinkte er weiße Milch.

Landa steckt zweifellos im Wolfskostüm und ist doch so überzeugend wie der aufrichtige Fonda, als er Elf andere Geschworene davon überzeugt, dass der Fall nicht so klar liegt, wie er scheint.

Wenn Sie gerade beim Lesen das Gefühl haben, dass ich Schauspieler und Rolle verwechsle, Fakt und Fiktion, dann schauen Sie sich diesen Bastard von Film an und entdecken Sie Winnetou. Wenn Sie Winnetou entdecken, verstehen Sie was ich meine und vielleicht eine Möglichkeit, warum die Auerbach – Kellerszene in der Winnetou versteckt ist, nicht rausgeschnitten wurde oder was ihr Pudels Kern sein könnte. Vergessen Sie dabei nie, dass Sie nur ein Märchen serviert bekommen, was nicht mehr sein will, als ein Märchen. Denn das Märchen, das Gerücht, das Gegenteil des Faktischen und der wissenschaftlichen Erforschung, ist ja auch viel bewegender, als trockene Fakten, Fakten, Fakten – womit wir wieder bei Kapitel Eins und Hans Landa sind.

Landa findet Fakten auch viel uninteressanter als Gerüchte.

– Mist, muss erstmal unterbrechen.

Sascha Lobo?

Mai 10, 2009

Wer ist Lobo? Wie ist seine Schuhgröße? Lobo ist eine Inszenierung, die virtuell-real geworden ist? Nein.  Lobo ist Lobo geworden. Lobo konnte nicht umhin, Lobo auch außerhalb von Null und Eins zu sein. Schade.

Mich gruselt, dass nicht irgendein Lobo, sondern Sascha Lobo, Erziehung einfordert, um den Umgang mit den neuen Medien zu lehren.  Lobo? Lobo, ist der, der ganz profan und ziemlich miefig, spießig mit seinem Gesicht auf der dreidimensionalen Ausgabe des heutigen Tagesspiegels (10.05.2009) prangt. Das ist noch angepasster, als der müde Theodor von Heinz Erhardt (lief heute auf rbb).

Lobo? Lobo, ist eben keine virtuelle Figur, sondern ein Ego wie Du und ich, dass eben nicht virtuell und vielleicht sogar verteilbar ist. Nein, Lobo ist Lobo, ist Erhardt oder mein Nachbar, vulgo ist Lobo langweilig und nichts anderes als ein weiterer auf ein reales Klingelschild reduzierbarer Name.

Das Internet wird von einem Lobo nicht als neues Medium, sondern als Sprungbrett benutzt, um in die alte Welt der Medien zu kommen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, aber originell ist es nicht.

Es grüßt den Racter und nicht den Lobo,

Ruben Ballutschinski

Feinbeins Feiner Feihnachtskalender

November 29, 2008

1

Stundenlang hatte Chefermittler Feinbein alles protokolliert, was der Trickbetrügerweihnachtsmann der Weihnachtsmarktkundschaft aus dem Rock gezogen hatte. Der Ablauf war simpel. Ein Mann mit rotem Kostüm und weißem Bart lockte Kinder, die an der Seite der Eltern gingen, mit einem Trick zu sich heran. Mal verknetete er Luftballons zu Rentieren oder zauberte aus dem Nichts eine Taschentuchprinzessin. Er war geschickt. Die Liste der gestohlenen Gegenstände war lang. Ferfried gähnte. Mit Weihnachten war er durch. Ferfried hatte früh gelernt, dass zu Weihnachten der gewinnt, der schamlos Vertrauen und Seligkeit ausnutzt. Trotzdem befriedigte es Ferfried, dass er diesem Santa die Fresse polieren würde.

2

Feinbein saß in seinem Dienstfahrzeug und beobachtete eine verdächtige Wohnung. Angefangen hatte es Ostern und im Sommer war die Wohnung ein heißes Gerücht. Delia, so hieß die Hure, betrieb keinen Discountfick, sondern jagte die Betuchten oder Nützlichen. Als die Tage grau wurden, erhöhte sich der Verkehr, nach Totensonntag schienen die kleinstädtischen Honoratioren zu glauben, man könne sich den Trübsinn aus den Eiern blasen lassen, bevor man in Familie macht. Feinbeins Lieblingsentrepreneur und Freier kam heraus und lächelte befriedigt. „Arschloch“, dachte Feinbein und beobachtete weiter. Es war spät geworden. Natürlich hatte er Delias Geheimnummer. Er könnte sie befragen – rein dienstlich.

3

Das Geschwätz war unerträglich. Aber er war ein Zuhörer. Er war es gewohnt nach Feierabend in seiner Kneipe sein Feierabendbier zu trinken, Er war Polizist, er hieß Ferfried Feinbein und es wartete eh niemand auf ihn zu Hause. Zu Hause? Das war sein Bezirk, seine Arbeit und nicht die Box, die er mieten musste, weil der Mensch auch schlafen muss. Das Geschwätz war immer noch unerträglich. Es drehte sich um die großen Lösungen für alle Probleme. Ob die Menschen wussten, was sie für eine Scheiße erzählen? Alkohol betäubt. Er nickte, orderte ein weiteres Pils. Mehr passierte nicht am dritten Advent.

4

Das Bürotelefon klingelte. Der übergewichtige Kommissar Ferfried Feinbein gähnte und war sackmüde. Er hatte schlechter als sonst geschlafen und quälte sich über den Tag. Er atmete nachts zu wenig. Schnarchapnoe. Heute Abend war die Weihnachtsfeier der Direktion. Es würde ein Besäufnis werden. Das Telefon klingelte: Rrrrring. Ferfried nahm ab.

„Feinbein?“

„Hallo Herr Feinbein“, meldete sich der Betriebsarzt und nahm Ferfried ins Gebet: „Laut meinen Unterlagen liegt ihr letzter Fitness- und Eignungstest über zwei Jahre zurück. Das geht nicht. Sie müssen sich untersuchen lassen.“

„Noch vor Weihnachten?“

„Nein, am 28. Dezember. Termin steht.“

Ferfried legte einfach auf. Termin steht. Ende absehbar.

5

Der Kerl war gerissen. Das war allen klar. Ein Strauchdieb verkleidet als Weihnachtsmann. Das hatte Brisanz in dem kleinen Ort, wo Ferfried Feinbein für Recht und Ordnung stand. In seinem Bezirk lebten die Leute noch in dem Glauben: Unrecht wohnt woanders. Ferfried wusste es natürlich besser. Der falsche Weihnachtsmann war nur die Spitze des Eisbergs. Aber endlich hatte Ferfried Gelegenheit, mit einem Trauma aus seiner Kindheit abzurechnen. Für klein Ferfried war der Weihnachtsmann schon immer ein Krimineller gewesen. Er erpresste das Wohlverhalten der Kinder mit seiner Rute. Strauchdieb oder Weihnachtsmann? Real? Irreal? Ganz egal. Ferfried würde ihn zur Strecke bringen.

6

„Verdacht auf Bruxismus und Apnoen.“, sagte sein Hausarzt und sah den Polizisten Feinbein skeptisch an. „Sie müssen ins Schlaflabor, aber vor Weihnachten sehe ich schwarz. Da sehe ich für das ganze nächste halbe Jahr schwarz.“ Feinbein – nackt – sah den Mann in Weiß stoisch an. „Gehe nie vor Weihnachten zum Arzt!“, dachte er und: „Wenn wir allen Verdachtsmomenten erst ein halbes Jahr später nachgingen, was wäre dann?“. Der Gesetzesmann ahnte, dass er die Arschkarte gezogen hatte, weil er gesetzlich versichert war. „Die Anderen, kommen früher dran. Die Anderen kriegen eine Maske. Die Anderen leben weiter. Ich sterbe dafür im Schlaf.“

7

Der Anruf war früh gekommen. Kinder auf dem Schulweg durchs Bruchtal – wo sie nicht langgehen sollen, weil dort Zigeuner wohnen und schon gar nicht im Dezember, wenn es morgens sacknacht ist – hatten auf der Wache angerufen. Eine Leiche im Fischteich. Wahrscheinlich haben sie Fotos mit Handys gemacht und schickten sie sich zu. Angefasst hatten sie den Toten nicht. Die Leiche war aufgedunsen und abscheulich. Vor diesem Anblick hatten sie Respekt. „Wenigstens das“, dachte Polizist Feinbein, als die Wasserleiche in den Bodybag gesteckt wurde. Im Kopf hörte er die Stimme seines Vaters, wie sie Benns Aster mit „Ruhe sanft.“ beendete.

8

Sein Vater hatte eine Leidenschaft: Insekten. Und er hatte einen Sohn: Ferfried. Ferfried musste lernen, dass Calliphoridae ein Meisterwerk aus sechs Beinen, zwei Flügeln und tausenden Augen sei. Ferfried war ungeschickt, hatte vier Gliedmaßen und Basedowsche Glotzaugen. Ferfried durfte den Müll rausbringen und zuschauen, wenn man ihn selbst nicht sehen konnte, denn Vater fand Ferfrieds Glubscher zu lächerlich, um sich weiter konzentrieren zu können. So lernte Ferfried schweigen und beobachten. Ihm entgingen nicht die neuen, braunen Flecken auf Vaters Haut, und sein vorsichtiger Umgang mit Bienen. Vater verstarb am Nikolaustag an einem anaphylaktischen Schock, als er in seine Stiefel stieg.

9

„Wir haben ihn!“ Darauf hatte Kommissar Feinbein gewartet. „Jetzt geht es Dir an den Kragen. Eine Rute für Ruprecht“. Halblaut brabbelte Feinbein Verwünschungen, als er zum Weihnachtsmarkt raste. „Treibt den Betrüger zum Nordausgang, da schnappe ich ihn mir“, rief er ins Mikro, sprang aus dem Wagen, griff sich seine spezielle „Rute“ und besetzte den Ausgang keine Sekunde zu spät. Der falsche Santa stob heran. Ferfried war ein zehn Jahre alter Junge geworden, bis er den Weihnachtsmann, der ihn verfolgte, als Lüge begriffen hatte. Schuld hatte sein Vater. Jetzt rammte Ferfried dem Betrüger einen Baseballschläger in die Rippen, dass Knochen knackten.

10

Er schmierte den Gemeinderat, schmierte Gegner wie Freunde, kaufte sich Menschen wie Anzüge von der Stange und gründete Firmen am Fließband wie ein Entrepreneur. Während Zuhälterameisen ihre Muschis wie Blattläuse melkten, fickte der Entrepreneur die ganze Gemeinde in den Arsch. Polizist Feinbein war angewidert, denn sein Staatsanwalt war ein Anzug, der gekauft worden war und ihm die Hände maliziös gebunden hatte. Der Entrepreneur saß auch im Kirchenvorstand, hatte eine Familie und den Weihnachtsbaum für den Weihnachtsmarkt gestiftet. „Mit manikürten Nägeln wird keiner gekreuzigt.“, dachte Feinbein als er im werbefinanzierten Käseblatt las, dass dem Entrepreneur zu Lebzeiten eine Straße gewidmet wurde.

11

Obwohl Ferfried Feinbein etliches gerochen hatte, verschlug ihm der Gestank der Wasserleiche den Atem. Der Pathologe zeigte auf den eingeritzten Drudenfuß auf der Wange des Toten und sagte, dass die Schnitte post mortem zugefügt worden seien. „Das ist ein Zeichen der Zigeuner, oder Feinbein?“, presste der Staatsanwalt hinter vorgehaltenem Taschentuch hervor und wartete nicht mehr die Antwort seines Chefermittlers ab, sondern verließ fluchtartig den Raum. Der Pathologe schaute Feinbein an, als erwarte er eine Antwort. „Ja, das ist ein Zigeunerzinken.“ Der Pathologe nickte, schnitt weiter und Feinbein dachte: „Druden rauben Atem – Vorurteile Verstand und zur Weihnachtszeit werden alle verrückt.“

12

Ferfried hasste seinen Schwanz. Sein Schwanz war der Kriminelle, den er nicht verhaften konnte. Die Todesstrafe war abgeschafft und guillotinieren unmöglich. Ferfried war in seiner Wohnung, die er Schlafzelle nannte, und surfte. Wenn er rausguckte, sah er mit Weihnachtsbrimborium geschmückte Fenster. Leuchtende, blinkende Weihnachtszeit. Ferfried war Polizist in einer Kleinstadt und hatte Bedürfnisse. Er wusste aus sicherer Quelle, dass seit Ostern eine Hure in der Stadt arbeitete, wusste, wo sie empfing und landete endlich den Googletreffer zur Website. Sie tanzte, nur mit Weihnachtsmannmantel bekleidet über den Schirm. Ihre der Schwerkraft trotzenden Brüste wippten und seine Hose beulte sich. Einsperren unmöglich.

13

Ferfried war neun Jahre alt, als er, zwei andere Kinder und der Zigeunerjunge Hannikel wie Adventskerzen vom Lokalradio befragt wurden, wie sie Weihnachten feiern würden. Ferfried war als erster dran und erzählte, dass er vom Weihnachtsmann jedes Jahr besucht werde und der Weihnachtsmann Dinge wüsste, die er unmöglich wissen könnte, weshalb Ferfried sich stets bemühe, brav zu sein. Aber leider würde der Weihnachtsmann immer etwas finden und seinen größten Geschenkwunsch aufs nächste Jahr verschieben. Als Ferfried so gesprochen hatte, lachte Hannikel laut auf. Warum er lache? „Weil alle, die an den Weihnachtsmann glauben, auch denken, dass wir unsere Geschenke klauen.“

14

Sie bumste, wie Ferfried es sich vorgestellt hatte. Sie zog ihn aus, trug selbst Stilettos, halterlose Nylons, ein Cape und eine Weihnachtsmannmütze. Ferfried fand sie scharf und rot wie seine geschwollene Eichel, die direkt zum Polarstern zeigte; rot wie ihre Lippen, die ihn umschlangen. Er bettelte, eindringen zu dürfen. „Wichsweihnacht“, dachte er, als es geschah. Wenige Stöße später verfluchte er sich, das Geschenkpapier nicht aufgerissen und seiner Freude freien Lauf gelassen zu haben. Er merkte, wie er sich beim Atmen überholte, luftnötig wurde und unter der Hure erstickt, wenn sie nicht abgestiegen wäre. „Du bist ein Druckgeist.“, presste er hervor.

15

An einem verregneten Dezembermorgen marschierten sie über einen matschigen Weg ins Bruchtal zum Zigeunerlager. Ferfried, der Leiter der Ermittlungen, stapfte abseits der Meute und mahlte mit den Zähnen. Es galt eine Klinge zu finden, die einem Honoratioren, die Wange gezinkt hatte. Die Beamten drangen schnell in die Wohnwagen ein und durchsuchten sie. Ferfried war nicht überrascht, dass Arpad auftauchte. „Bist Du nicht der, dem Hannikel den Glauben an den Weihnachtsmann austrieb?“, fragte Arpad, Hannikels Vater.

„Ich bin der, der die Welt nicht ändert.“

„Also klauen Zigeuner noch Geschenke?“

„Es muss einen Schuldigen geben.“

Ein Polizist rief aufgeregt: „Chef!? Das Messer!“

16

Der Staatsanwalt saß konsterniert vor ihm. Kommissar Feinbein hatte ihn direkt aus einer Schulweihnachtsfeier, wo Staatsanwalt Rau den Nikolaus spielte, herbeordert. Sie hatten die Tatwaffe, keine Fingerabdrücke und sie hatten dreiunddreißig verdächtige Zigeuner, die aber keinen Ton sagten. „Dann sperren wir sie eben alle ein.“, fluchte Rau wissend, dass es keine Lösung war. „Was schlagen Sie vor Feinbein.“

„Lassen Sie sie gehen. Aber lassen Sie sich von Arpad unterschreiben, dass sie nie wiederkommen.“

„Bin ich der Weihnachtsmann?“

Feinbein lächelte und schob ihm ein vorbereitetes Formular zu. Rau unterschrieb, setzte sich seine Weihnachtsmannmütze auf und ließ sich wieder zur Feier fahren.

17

Feinbein saß im Café und sah seine Notizen durch. Schmale Karteikarten mit handgeschriebenen Vermerken. Der Fall war gelöst. Das Wesentlichste stand auf diesen Karten. Als er sich, ohne zu wissen warum, im Café umsah, fiel ihm ein kleines Kind auf, das systematisch auf seinem Schokoadventskalender die Zahl des Tages suchte. Kommissar Feinbein schüttelte den Kopf. Es war doch egal, welches Türchen wann geöffnet werden würde, denn es steckte doch immer das Gleiche dahinter? Feinbein sah auf seine Karteikarten, lächelte und widerstand nicht der Versuchung, die Karteikarten zu mischen, bevor er sie mit einem Gummiband umspannt in seiner Jackentasche verschwinden ließ.

18

Er wusste noch, Delia gefickt zu haben, weil er sonst das bevorstehende Adventswochenende mit seiner Familie nicht überstanden hätte. Auf dem Heimweg musste der Überfall passiert sein. Er lag gefesselt und geknebelt auf der Ladefläche eines Pritschenwagens. Seine Gliedmaßen waren mit Kabelbindern zusammengebunden, die sich ins Fleisch schnitten, wenn er sich bewegte. Der Wagen holperte über unwegsames Gelände. Der Wagen stoppte. Türen schlugen. Die hintere Plane öffnete sich. Es war sacknacht. Wortlos wurde er zum Fischteich geschleift, wo er den Knebel herausgerissen bekam. „Warum?“, heulte er. „Damit Du keinen mehr ficken kannst.“, erhielt er zur Antwort, bevor er ersäuft wurde.

19

Die drei Damen, die vor Feinbein im Büro Platz genommen hatten, waren die Säulen der Moral in der Stadt. Feinbein nahm ihre Klagen ernst, weil er seinen Job nicht verlieren wollte. „Wann wird die Stadt diesen Schweinepuff vom Zigeunerflittchen schließen?“, ereiferte sich die Wortführerin. „Jetzt gibt es schon einen Toten und es ist bald Weihnachten“, ergänzte eine Andere.

„Das eine muss nicht mit dem anderen zusammenhängen.“, antwortete Feinbein. „Papperlapapp!“, entgegneten die Drei.

„Das Etablissement steht längst unter Beobachtung. Ich kann ihnen versichern: Es gibt ein gesegnetes Weihnachtsfest.“

„Ohne Flittchen und Zigeuner?“ zischte die Hydra.

„So sei es!“, verpflichtete sich Feinbein.

20

„Du hast mich benutzt, um meine Leute zu verkaufen und lässt Dich von Moralaposteln ficken. Ferfried, ich bin eine Hure, aber Du bist eine Nutte und besorgst es jedem.“

„Ich wüsste nicht, dass Du Unterschiede gemacht hättest.“

„Meine Seele verkaufe ich nicht. Nur Sex. Dir ist nichts heilig. Du bist nichts.“

„Hast Du geglaubt, Du fickst den Stadtrat wund und nächste Woche feiern alle Bescherung? Mit Schnellfickpaps als Weihnachtsmann? Wenn ich Dich und Deine Leute nicht verkauft hätte, dann würdest Du jetzt tot im Teich schwimmen.“

„Was willst Du? Absolution?“

„Die Vorgartenchristenheit will Weihnachten feiern. Ich rate euch also: verschwindet.“

21

„Fährt Hans mit dem Pritschenwagen noch zum Fischteich?“, fragte Kommissar Feinbein, als er auf dem Wochenmarkt Aal kaufte.

„Jepp.“, antwortete der Verkäufer.

„Fängt er im Dezember was?“

„Jepp.“

„Guck an. Kaufst Du Hansis Fisch?“

„Nee.“

„Zu Schlecht?“

„Hansi verkauft mir nix.“

„Aber Fische fängt er?“

„Sagt er.“

„Wahrscheinlich muss er fischen gehen? So wie wir jedes Jahr Weihnachten feiern?“

„Hauptsache er fährt nicht in den Teich. Er trinkt zu viel, Herr Kommissar.“

„Und fährt mit dem Pritschenwagen nach Hause?“

„Und lässt den Schlüssel stecken.“

„Verschwände der Wagen, könnte er nicht fischen und trinken?“

„Jepp.“

„Und Weihnachten würde stattfinden können?“

„Jepp.“

22

„Da!“, sagte sein Chef triumphierend und pättete mit seinem wurstigen Zeigefinger auf Feinbeins Flachbildschirm und verdeckte das, was er zeigen wollte. „Vielleicht muss ich doof werden, um Karriere zu machen?“, dachte Kommissar Feinbein, bevor er stattdessen „Ja, Chef. Beeindruckend.“, antwortete. Sein Chef lächelte, nickte und verschwand wieder glücklich in sein Büro. Feinbein nahm ein Taschentuch und entfernte den Fettfleck vom Monitor. Als nichts mehr zu sehen war, überzeugte sich der Ermittler, dass es „Da!“ auch nichts gab, was sie eh nicht schon wussten. Abgründe findet man nicht nolens volens, sondern ehe man sich versieht, verschlingen sie einen in der Tiefe.

23

Am Vorabend wusste der zehnjährige Ferfried Feinbein, dass sein diesjähriger Weihnachtshauptwunsch, ein ferngesteuertes Polizeiauto, vom Weihnachtsmann dieses Mal nicht vermasselt werden würde. Dank des Zigeunerjungen Hannikel hatte er lernen und erfahren müssen, dass der Weihnachtsmann eine Lüge und ein Kollege seines Vaters gewesen war. Vaters Schicksal hatte sich schon zu Nikolaus entschieden, weil Paps im Stiefel einen Bienenstich hatte.

Als am Heiligabend die Tür aufging und der Weihnachtsmann eintrat, wusste Ferfried, wer hinter der Maske steckte, wusste, dass Paps dem Weihnachtsmannkollegen nicht mehr seine Geheimnisse hatte verraten können, die Ferfried im kindlichen Vertrauen weitererzählt hatte. Ferfried bekam das ferngesteuerte Polizeiauto.

24

Der Wecker war eine Minute vor der Weckzeit stehen geblieben. Chefermittler Ferfried Feinbein saß, als es schon viel zu spät war, noch lange auf der Bettkante und kratzte sich an seinem Hinterkopf. „Seltsam“, dachte er. „Gestern hatte doch alles funktioniert?“

Nachdem er sich vom Schock seines und des Weckers Versagen erholt und befriedigt unter der Dusche festgestellt hatte, dass er immer noch in der Lage war, sich einen herunterzuholen, telefonierte Ferfried mit der Zentrale und ließ sich bestätigen, dass er letzte Nacht nicht verstorben sei. So hatte er sich früher seinen Tod ausgemalt: Eine Minute vor dem Start, einfach wegzubleiben.